[lehre] : [bachelor B.A.] : architekturgeschichte 20. jhd.



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der freie mensch

„Dieser Mensch, der unnachgiebige und erste, steht am Beginn jeder Sage, die die Menschheit über ihre Anfänge im Gedächtnis bewahrt hat. Prometheus wurde an einen Felsen geschmiedet und von Geiern zerfleischt - weil er den Göttern das Feuer gestohlen hatte. Adam wurde zum Leiden verdammt -weil er von der Frucht des Baumes der Erkenntnis gegessen hatte. Welche Sage auch immer, im Dunkel ihrer Erinnerung war sich die Menschheit bewusst, dass all ihr Glanz von einem Einzelnen ausgegangen war und das dieser Einzelne für seinen Mut bezahlt hatte.

In allen Jahrhunderten hat es Menschen gegeben, die erste Schritte auf neuen Wegen taten und keine andere Waffe besaßen als ihre Vision. Ihre Ziele unterschieden sich, doch dies verband sie alle: dass ihr Schritt der erste, ihr Weg neu, ihre Vision kein Abklatsch und die Reaktion, der sie begegneten, Hass. Die großen Schöpfer - die Denker, die Künstler, die Wissenschaftler, die Erfinder - standen allein gegen die Menschen ihrer Zeit. Jeder große neue Gedanke wurde bekämpft. (...)
Die Schöpfer waren nie selbstlos. Das ganze Geheimnis ihrer Kraft liegt darin, dass sie sich selbst genügt, sich selbst begründet, sich selbst erzeugt Als Ursprung, als Energiequelle, als Lebenskraft, als Primum Movens. Der Schöpfer dient nichts und niemand. Er lebt nur für sich selbst. Und allein weil er nur für sich selbst lebt, kann er die Leistungen vollbringen, die den Glanz der Menschheit ausmachen. Darin liegt das Wesen aller großen Leistungen.

Der Mensch kann nur mittels seines Verstandes überleben. (....) Doch der Verstand ist ein Attribut des Individuums. So etwas wie ein kollektives Gehirn oder ein kollektives Denken gibt es nicht. (...) Das so genannte Gemeinwohl eines Kollektivs - einer Rasse, einer Klasse, eines Staates - war immer der Anspruch und die Rechtfertigung jeder Tyrannei. die über Menschen errichtet wurde. Alle großen Greueltaten der Geschichte wurden im Namen eines altruistischen Motivs begangen. Hat eine einzige eigennützige Handlung jemals ein solches Blutbad angerichtet wie der Altruismus mit seinen Jüngern? Liegt die Schuld in der Heuchelei der Menschen oder in der Natur des Prinzips? Die grauenhaftesten Schlächter handelten aus aufrichtiger Überzeugung. Sie glaubten, man könne eine vollkommene Gesellschaft durch Guillotine und Erschießungs-Kommandos verwirklichen. Niemand zweifelte an ihrem Recht zu morden, weil sie für einen altruistischen Zweck mordeten. Man fand sich damit ab, dass Menschen für andere Menschen geopfert werden mussten. Die Handelnden wechseln, aber der Verlauf der Tragödie bleibt der gleiche. Ein Philanthrop tritt mit Erklärungen über Menschenliebe auf und watet schließlich in einem Meer von Blut.“
The Fountainhead,
Ayn Rand, 1943